Duschgel selber machen – sicher und realistisch

Von der Redaktion · So arbeiten wir · Aktualisiert am

Ein brauchbares Duschgel selbst zu machen, ist mit wenigen Rohstoffen möglich: Wasser, ein mildes Tensid wie Coco-Glucoside, ein Co-Tensid, Glycerin, ein Verdicker wie Xanthan, ein Kosmetik-Konservierer und eine Säure zur pH-Einstellung. Entscheidend sind saubere Arbeitsweise und Konservierung. Ohne Konservierer ist ein wasserhaltiges Duschgel nur wenige Tage haltbar und kann schon vorher verkeimen.

Was du realistisch erwarten kannst

Selbst gemachtes Duschgel kann mild, angenehm und individuell beduftet sein. Es wird aber nicht die Stabilität, Schaumqualität und geprüfte Sicherheit eines Industrieprodukts erreichen. Hersteller führen Belastungstests durch, bei denen Proben gezielt mit Keimen versetzt werden, um die Wirksamkeit der Konservierung zu prüfen. Zu Hause hast du diese Möglichkeit nicht.

Die Rohstoffe und ihre Aufgabe

Rohstoff (INCI)AufgabeHinweis
Aqua (destilliert oder abgekocht)BasisLeitungswasser bringt Keime und Kalk ein
Coco-Glucoside oder Decyl Glucosidemildes Haupttensid (Zuckertensid)Rohstoff hat meist ca. 50 % Aktivgehalt, ist leicht alkalisch
Cocamidopropyl Betaine oder Sodium Cocoyl GlutamateCo-Tensid, macht milder, verbessert SchaumAktivgehalt meist ca. 30 %
GlycerinFeuchthaltemittelDient auch zum Anrühren des Xanthans
Xanthan GumVerdickerOhne Verdicker bleibt das Gel wässrig
Kosmetik-KonserviererSchutz vor KeimenNur Produkte mit Dosier- und pH-Angabe des Herstellers
Lactic Acid oder Citric AcidpH-EinstellungZielbereich etwa pH 5,0–5,5
Parfum oder ätherisches Öl (optional)DuftSehr sparsam, Allergene beachten

Die Unterschiede zwischen anionischen, amphoteren und nichtionischen Tensiden erklärt der Ratgeber Tenside im Duschgel. Rohstoffe in Kosmetikqualität bekommst du bei spezialisierten Online-Shops für Naturkosmetik-Zutaten, teils auch in Apotheken.

Grundrezept für etwa 200 g mildes Duschgel

Das Rezept ergibt ein mildes Duschgel mit rund 10 Prozent waschaktiver Substanz, ein Wert, der im Bereich üblicher Duschgele liegt.

Schritt für Schritt

  1. Arbeitsplatz vorbereiten: Flächen, Schüssel, Löffel, Waage-Schale und Zielflasche reinigen und mit 70-prozentigem Alkohol (Isopropanol oder Ethanol) desinfizieren, trocknen lassen. Einweghandschuhe tragen.
  2. Xanthan anrühren: Xanthan im Glycerin verrühren, bis eine glatte Paste entsteht. So vermeidest du Klümpchen.
  3. Wasser zugeben: Die Paste unter ständigem Rühren in das Wasser geben und etwa zehn Minuten quellen lassen, bis ein klares Gel entsteht.
  4. Tenside unterrühren: Coco-Glucoside und Betain langsam einrühren. Nicht schlagen, sonst entsteht viel Schaum, der sich schwer setzt.
  5. Duft und Konservierer: Optionalen Duft und den Konservierer zugeben, gut verrühren.
  6. pH-Wert messen und einstellen: Mit pH-Teststreifen (Bereich 4–7) oder einem pH-Meter messen. Zuckertenside machen die Mischung leicht alkalisch, deshalb tropfenweise Milchsäure zugeben, umrühren, neu messen, bis pH 5,0–5,5 erreicht ist.
  7. Abfüllen und beschriften: In eine saubere Flasche mit Pumpe oder Klappdeckel füllen. Etikett mit Datum und Inhaltsstoffen anbringen.

Warum der pH-Wert so wichtig ist: Viele Konservierer wirken nur in einem bestimmten pH-Bereich. Sodium Benzoate und Potassium Sorbate etwa brauchen ein saures Milieu, typischerweise unter pH 5,5. Ohne pH-Messung weißt du nicht, ob dein Konservierer überhaupt arbeitet. Mehr Hintergrund liefert die Seite zum pH-Wert im Duschgel.

Konservierung: der Punkt, an dem DIY scheitert

Ein Duschgel steht im feuchten, warmen Bad und wird mit nassen Fingern geöffnet. Bessere Bedingungen für Keime gibt es kaum. Deshalb ist ein Konservierer kein optionaler Zusatz, sondern Pflicht, sobald du mehr als eine Portion für ein bis zwei Tage herstellst.

Für Hobbyanwender eignen sich fertige Konservierer-Mischungen aus dem Kosmetik-Rohstoffhandel mit klarer Dosier- und pH-Angabe, etwa auf Basis von Benzyl Alcohol und Dehydroacetic Acid oder Sodium Benzoate und Potassium Sorbate. Nicht geeignet sind:

Welche Konservierer in Kosmetik üblich sind und wie sie bewertet werden, steht im Ratgeber Konservierungsstoffe im Duschgel.

Achtung: Riecht dein selbst gemachtes Duschgel säuerlich, wird es trüb, flockig oder bilden sich Punkte an der Oberfläche, sofort entsorgen. Wer zu Neurodermitis neigt, offene Hautstellen hat oder ein frisches Tattoo pflegt, sollte auf selbst gemachte Produkte verzichten und geprüfte, möglichst parfümfreie Produkte verwenden. Bei Rötung, Brennen oder nässendem Ausschlag nach der Anwendung das Produkt absetzen und bei anhaltenden Beschwerden ärztlich abklären lassen.

Die konservierungsfreie Alternative

Wer ganz ohne Konservierer arbeiten möchte, mischt nicht auf Vorrat, sondern nur für eine Anwendung, oder greift zu wasserfreien Formen. Ein festes Syndet oder ein Pulver, das erst kurz vor dem Duschen mit Wasser angerührt wird, umgeht das Keimproblem weitgehend. Fertige Lösungen beschreibt der Ratgeber Duschgel-Pulver und Konzentrat, feste Varianten findest du unter festes Duschgel.

Rezepte, von denen wir abraten

Im Netz kursieren viele Anleitungen, die schnell gehen, aber der Haut wenig Gutes tun:

RezeptProblem
Geriebene Kernseife mit WasserpH 9–10, entfettet stark, wird schnell schleimig und verkeimt; Seifenreste bei hartem Wasser
Spülmittel plus ÖlSpülmittel ist auf Fettlösung optimiert und nicht als Kosmetik bewertet; reizt bei regelmäßigem Hautkontakt
Flüssigseife plus Honig oder MilchNährboden für Keime ohne ausreichende Konservierung
Hoher Anteil ätherischer Öle für „Wirkung“Hohes Risiko für Reizungen und Kontaktallergien, besonders bei Zitrus, Zimt, Nelke

Rechtliches: verschenken und verkaufen

Für den Eigengebrauch gibt es keine Formalitäten. Wer selbst gemachtes Duschgel verkaufen oder auf Märkten anbieten will, bringt nach der EU-Kosmetikverordnung (EG) 1223/2009 ein kosmetisches Mittel in Verkehr. Dafür sind unter anderem eine Sicherheitsbewertung durch eine qualifizierte Person, eine Produktinformationsdatei, eine verantwortliche Person, die Meldung im EU-Notifizierungsportal CPNP und eine vorschriftsmäßige Kennzeichnung nötig. Auch beim Verschenken größerer Mengen solltest du zurückhaltend sein und die Inhaltsstoffe vollständig angeben.

Häufige Fragen

Wie lange hält selbst gemachtes Duschgel?

Mit einem passenden Konservierer bei korrektem pH-Wert und sauberer Herstellung meist einige Wochen bis wenige Monate; eine Garantie gibt es ohne Belastungstest nicht. Ohne Konservierer nur wenige Tage im Kühlschrank. Stelle deshalb Mengen her, die du in vier bis sechs Wochen verbrauchst.

Kann ich Leitungswasser verwenden?

Besser nicht. Leitungswasser enthält Keime und Mineralien, die die Konservierung belasten und die Tenside schlechter schäumen lassen. Destilliertes Wasser aus der Drogerie oder frisch abgekochtes, abgekühltes Wasser sind die bessere Wahl.

Warum schäumt mein selbst gemachtes Duschgel so wenig?

Zuckertenside schäumen von Natur aus weniger als Sulfattenside. Ein höherer Anteil Betain verbessert den Schaum. Die Reinigung ist auch mit wenig Schaum gegeben.

Ist selbst gemachtes Duschgel automatisch Naturkosmetik?

Nein. Ob ein Produkt Naturkosmetik ist, hängt von den Rohstoffen ab, nicht davon, wer es rührt. Zertifizierte Naturkosmetik folgt festen Kriterien, siehe Naturkosmetik-Duschgel.

Kurz gesagt: Ein mildes Duschgel lässt sich mit Zuckertensid, Betain, Glycerin, Xanthan, Konservierer und Milchsäure gut selbst herstellen. Hygiene, pH-Messung und ein geeigneter Konservierer sind nicht verhandelbar – wer darauf verzichten will, setzt besser auf feste oder pulverförmige Produkte.